Predigten

Predigt zu 1.Johannes 4,16b-21 1.S.n.Trinitatis

Taufe

Liebes Ehepaar G., liebe Patin und Taufzeugen, liebe Angehörige und liebe Gemeinde.

Heute wollen wir Leonie taufen. Dafür gibt es einen guten Grund. Jesus Christus hat uns dies befohlen.
Denn er spricht in Matthäus 28:
Mir ist alle Macht gegeben, im Himmel und auf der Erde. Darum geht hin und macht alle Völker zu Jüngern:
Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie alles zu halten, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt. (Matthäus 28, 18-20)
Und Jesus sagt auch in Markus 16:
Wer glaubt und getauft wird, der wird gerettet werden. Wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden. (Markus 16, 16)

Taufpredigt
Wir haben im Garten wie viele andere ein Vogelhäuschen. Dieses Jahr hat dort wieder ein Meisenpaar genistet. Die letzten Wochen sind die beiden Meisen im Minutentakt zum Nest geflogen und haben ihre Jungen mit Nahrung versorgt. Der Anflugtakt des Düsseldorfer Flughafens ist nichts dagegen. Von morgens bis abends in einer Tour, da konnte man hinschauen, wann man wollte, immer waren die Meisen in Aktion. Vor ca. zwei Wochen höre ich morgens früh ein lautes hölzernes Hämmern. Ein Buntspecht machte sich an dem Häuschen zu schaffen und wollte das Loch vergrößern, damit er sich ein Junges mit seinem Schnabel schnappen konnte. Ich finde Spechte sehr schöne Vögel, sie sind relativ scheu und ich freue mich, wenn ich sie im Garten entdecke. Aber nicht jetzt und nicht so! Da war bei mir keine Überlegung nötig, ich bin sofort auf die Terrasse gestürzt und habe den Specht mit lautem Händeklatschen vertrieben. Wieso eigentlich? So sind doch Spechte nun mal, eben auch Nesträuber wie Eichelhäher oder Elstern. Das ist der Lauf der Natur. Aber bei mir kam es gar nicht zu solcherlei Überlegungen. Da hatten die kleinen Meisen bei uns ein Zuhause gefunden und sofort war da mein Beschützerinstinkt aktiv. So hatten wir auch weiter nicht nur eine Meise und vorgestern haben die Jungen den Schritt aus dem Häuschen gewagt.
Warum erzähle ich das? Weil mir mein eigenes Herz ein Bild wurde für Gottes Herz. Natürlich ist es ein böses menschliches Herz und nicht Gottes Herz. Aber Gott hat doch dadurch zu mir geredet. Denn so ist Gott. Er will, dass wir seine Welt als seinen Garten sehen und ein Zuhause bei ihm finden. Er wacht über uns und lässt es nicht zu, dass uns etwas zustößt. Er freut sich, dass er mit den Menschen sozusagen „eine Meise“ hat. Wir Menschen sind seine Erfindung und er liebt uns. Das steht fest und bleibt so. Menschen sind schutzbedürftig und schwach. Das gilt besonders für Kinder, aber im Grunde bleibt das auch später so. Und darum setzt Gott von Anfang an Zeichen. Zeichen seiner Liebe und Fürsorge, seiner Hilfe und seines Schutzes. Ein besonderes Zeichen dafür ist die Taufe. Hier redet Gottes Herz zu unserem Herzen. Das ist kein Vertrag nach dem Motto: Mensch, verhalte dich anständig, dann beschützt dich Gott im Gegenzug. Sondern Gott tritt mit einer grandiosen Zusage in Vorleistung. Und die ist so riesig, dass wir sie nie bezahlen können und auch nicht müssen. Mein Glaube ist keine Bezahlung für Gottes Gnade, sondern nur meine Antwort darauf indem ich sie für mich persönlich annehme. Auf diese Antwort wartet Gott. Geduldig und voller Liebe, aber nie berechnend.
Heute gibt er Leonie diese grandiose Zusage. Jesus sagt: Leonie, ich habe dich gewollt und geschaffen. Ich habe dich lieb. Ich werde dich behüten, vielleicht manchmal anders, als es sich die Eltern und Paten vorstellen, aber ich werde es tun. Das haben Sie als Eltern und Paten verstanden und haben deshalb dieses Wort aus Hebräer 13, 5 für Leonie ausgesucht:
„Der Herr hat gesagt: Ich will dich nicht verlassen und nicht von dir weichen.“
Das gilt, auch wenn es Leonie jetzt noch nicht versteht. Aber was soll‘s. Die Meisenjungen werden durch unseren Garten fliegen und nicht einmal ahnen, welchen Kampf es schon um ihr Leben gab. Wissen Sie um alle Kämpfe um Ihr Leben? Gott weiß es! Das ist gar keine Frage des Lebensalters und des Verstandes. Die Bedeutung unseres Verstandes überschätzen wir sowieso ständig. Leonie ist seit ihrer Zeugung ein ganzer, vollkommener Mensch und wird es für immer bleiben, egal, wie ihr geistiger Zustand gerade beschrieben werden kann. Das nimmt Gott ernst. Und er will, dass Leonie ewig zu ihm gehört. Gott hat alles dafür getan. Dafür steht die Taufe. Heute geben die Eltern und Paten noch die Antwort auf Gottes Gnade stellvertretend für sie. Aber Gott wartet auf ihre persönliche Antwort. Unsere Verantwortung als Familie und Gemeinde ist es, dass sie in die Lage kommt eine Antwort auf Gottes Liebe zu geben. Dazu sagen sie gleich Ja und Gott segne sie in ihrem Dienst, den sie damit für Leonie im Auftrag Gottes übernehmen. Und er segnet Leonie, indem er sie jetzt zu einem Leben im Glauben beruft, das einmal in Gottes Herrlichkeit münden soll.

…Taufe…

Predigt 1.Johannes 4,16b-21

16 Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat. Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.
17 Darin ist die Liebe bei uns vollkommen, dass wir Zuversicht haben am Tag des Gerichts; denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt. Furcht ist nicht in der Liebe,
18 sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht rechnet mit Strafe. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe.
19 Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.
20 Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der kann nicht Gott lieben, den er nicht sieht.
21 Und dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.

Liebe Gemeinde!
Liebe – kann man darüber überhaupt predigen? Redet das Leben nicht immer deutlicher als alle Worte? Widerspreche ich mir nicht letztlich, wenn ich das sage, was ich vom Liebesgebot Gottes weiß und es vergleiche mit dem, was ich tatsächlich lebe, was ich im Alltag rede, wie ich mich verhalte, was ich fühle und denke? Und wird es Ihnen nicht genauso ergehen? Müssten wir dann nicht konsequent sein und den Gottesdienst an dieser Stelle abbrechen? Im Grunde weiß jeder, was richtig und zu tun ist, also lasst uns nicht lange drüber reden, sondern es tun? Sollte man die nächste halbe Stunde nicht mit Zuhören vertun, sondern endlich den Besuch machen, den man schon so lange vorhatte, das Gespräch mit dem suchen, den man verletzt hatte, die Blumen kaufen und verschenken, was schon so lange überfällig ist, die Gartenschere reparieren, was man vor Wochen versprochen hatte?
Könnten wir natürlich tun – aber weit werden wir damit voraussichtlich auch nicht kommen. Kann sein, dass jeder von uns noch was auf dem Herzen hat, was er längst tun wollte und auch tun müsste. Kann sein, dass Sie alle noch „Altlasten“ abarbeiten müssen, womit Sie Liebe zeigen und leben können. Aber was ist dann? Wird es danach einfacher und besser? Oder fängt das gleiche Dilemma nicht von vorn an? Ich vermute, jedem unter uns ist die Liebe wichtig. Sie möchten jeden Tag Liebe empfangen und verschenken, erfahren und weiter geben. Wenn das allen – oder doch zumindest der weit überwiegenden Mehrheit der Menschheit so wichtig ist – warum funktioniert es dann nicht? Warum beherrscht nicht die Liebe, sondern die Lieblosigkeit, die Kälte, der Hass und Egoismus die Nachrichten und unseren Alltag?
Vielleicht müsste man doch noch einmal drüber nachdenken. Aber dann wäre es gut, wenn wir nicht bei unseren eigenen Gedanken und Gefühlen bleiben müssten, denn sonst dreht sich das Karussell der eigenen Wünsche und Unfähigkeiten nur einfach weiter.
Liebe – jeder meint sie zu kennen und keiner weiß sie zu leben.
Liebe ist wie Fußball: es kommen 10000 Experten auf einen Fußballer. Oder es ist so wie auf diesem Bild.

Bild von einer Baustelle zu finden zB unter http://www.spassfieber.de/bilder/bauarbeiter-als-manager-einer-arbeitet-viele-schauen-zu.html

Das ist kein Bild von unserer Baustelle hier in der Bleibergquelle…tut Ihnen der Herbert nicht auch leid? Und identifiziert man sich nicht automatisch mit ihm? Fühlen Sie sich in Sachen Liebe wie Herbert? Und jetzt kommt noch der „divinity manager“ und gibt auch noch seinen Senf dazu?
Ja, die Gefahr besteht durchaus und bei meiner Vorbereitung bin ich genau an dieser Stelle ins Trudeln geraten. Was kann ich ihnen hier und jetzt weiter geben, damit sich das Karussell nicht einfach weiter dreht?
Und genau an diesem Punkt habe ich in unserem Wort des Johannes eine Entdeckung gemacht: es ging ihm offenbar nicht anders! Wenn er einsetzt: „16 Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat. Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“, dann sagen wir „Ja, genau das ist es!“ Christen reden nicht wie ein Blinder von der Farbe, denn sie haben die Quelle aller Liebe erfahren, sie wissen, wo sie herkommt, wer sie ihnen gibt. Und sie wissen auch, dass sie in ihr leben dürfen, weil Jesus lebt und seine Kinder mit seiner Liebe beschenkt.
Aber schon bei Johannes war ganz offenbar damit das Problem nicht gelöst, sonst hätte er hier ein Punkt machen können, den Brief abschicken und alle Menschen lieben können bzw. die Liebe der anderen Kinder Gottes einfach genießen können. Aber das hat er offenbar nicht getan, sondern er redet plötzlich von Zuversicht im Gericht und von dem schwierigen Verhältnis von Gottesliebe und Bruderliebe. Ganz offenbar klafften auch damals schon Theorie und Praxis auseinander.
Ich möchte heute Morgen nun nicht bei diesem schwierigen Verhältnis ansetzen, denn ich denke, das ist den meisten unter uns durchaus bewusst. Der Gedanke ist wahr, und so wahr, wie er ist, so brutal ist er auch: „20 Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der kann nicht Gott lieben, den er nicht sieht.“ Die Wahrheit dieses Satzes appelliert an Ihren Verstand. Aber wahrscheinlich werden Sie bei dem Versuch diese Einsicht in konkretes Verhalten umzusetzen, relativ schnell scheitern. Der Weg vom Herzen zur Hand ist kürzer als der vom Verstand zur Hand. Die Hand wird vom Herzen schneller und besser bewegt als vom Verstand. Doch was erfüllt und bewegt Ihr Herz? Im Bild gesprochen müsste doch der Weg vom Verstand zum Herzen schnell zu überwinden sein. Wenn denn der Umweg sein muss – dabei verliert man doch nicht viel Zeit, oder? In diesem Wahn leben viele Menschen: man muss nur verstehen, was richtig ist, das lässt man dann, wenn es denn sein muss, das Herz prägen – und schon kommt die richtige Tat, das hilfreiche Wort, das liebevolle Verhalten dabei raus. Und nur die Tatsche, dass es nicht funktioniert, bringt dann ins Nachdenken. Aber hinterfragen Sie dabei auch die Voraussetzungen Ihres Denkens? Lassen Sie den Gedanken zu, dass es vielleicht gar nicht um eine Optimierung der Verbindung von Verstand und Herz geht, sondern dass da noch ganz andere Faktoren eine Rolle spielen? Letztlich geht es um die Frage, wer oder was Ihr Herz prägt. Und hier hier es unzählige Möglichkeiten außerhalb des Verstandes. Eines spricht Johannes hier an: das Geheimnis der Zuversicht. Was hat aber Liebe mit Zuversicht zu tun?
Johannes sagt in 3, 21: „21 Ihr Lieben, wenn uns unser Herz nicht verdammt, so haben wir Zuversicht zu Gott,“
Es geht bei diesem Wort um mehr als um ein positives Gefühl. Zuversicht, griechisch „parräsia“ ist ein Wort, das nur schwer in seiner ganzen Bedeutung ins Deutsche zu übersetzen ist. Generationen vor uns haben das Wort „Freudigkeit“ geprägt, das aber durch einige Missverständnisse etwas in Verruf gekommen ist. Der Pfarrer fragt, wer denn nach der Versammlung noch die „Freudigkeit“ besitzt die Stühle wegzuräumen. Und was dann im Herzen der Hörer passiert – „Kann das nicht mal ein anderer machen? Mein Kreuz! Immer ich! Heute habe ich wirklich keine Zeit – ach was solls, kann den armen Mann das ja nicht allein machen lassen“ – genau das hat mit dem, was das Wort eigentlich meint, nichts, aber überhaupt gar nichts mehr zu tun. Denn das Wort „Freudigkeit“ stammt eigentlich von dem alten Lutherwort „Freidigkeit“ und hat weniger mit Freude, als vielmehr mit Freiheit zu tun. Parräsia kann man neben Zuversicht vielleicht am besten mit „Berechtigung“ oder „freudige Freiheit“ wiedergeben. Fürs Stühle wegräumen vielleicht ein wenig zu hoch gegriffen – und so hat es sich leider abgenutzt. Es ist heute nicht mehr zu gebrauchen. Mit der „Zuversicht“ ist das glücklicher Weise anders. Aber hier gibt es ein anderes Missverständnis. Denn landläufig verbindet man damit die Beschreibung eines Gemütszustandes. Das ist natürlich nicht falsch, beschreibt aber nicht das, was hier bei Johannes ausgesagt wird. Hier geht es ja letztlich um die verwegene Hoffnung, die ein Christ in sich trägt, dass er im letzten Gericht nicht verurteilt wird. Wenn der Schlussstrich unter Ihr Leben gezogen wird, wenn die Summe Ihres Lebens errechnet wird, dann wissen Sie es im Grunde: es geht nicht um Verdienste und Ansehen, nicht um das, was die Leute von Ihnen halten, sondern um das was Gott von Ihnen hält. Dann kommen die hintersten Winkelzüge Ihres Herzens ans Licht, dann werden die kleinen und großen Geheimnisse Ihres Lebens offenbar. Dann wird jedem, der nüchtern und wahrhaftig darüber nachdenkt, klar: ich habe mehr Liebe empfangen als weiter gegeben. Ich bin so viel Liebe schuldig geblieben! Wenn das wirklich aufgerechnet wird, dann habe ich verloren, dann bin ich verloren!
Und woher kommt dann die „parräsia“, die Zuversicht? Doch nicht von Ihrem optimistisch veranlagten Gemüt, auch wenn der zu preisen ist, der eins hat! Da hilft dann auch das rheinische Gemüt nicht weiter „et is noch immer jot jejangen“. Dann halten Sie es lieber mit der Einsicht des Ruhrgebiets: dann ist echt „Schicht im Schacht“. Und woher dann die verwegene Hoffnung und Zuversicht? Sie lebt allein aus der Liebe Gottes. Johannes begründet das mit einem etwas rätselhaften kurzen Satz: „(17 Darin ist die Liebe bei uns vollkommen, dass wir Zuversicht haben am Tag des Gerichts;) denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt.“ „Er“ – das ist Jesus, der zur Welt gekommenen Gott. Und wie ist er „in der Welt“?
Man kann dabei an Jesus denken, wie er als Mensch auf der Welt lebte und wirkte. Das mag manchmal hilfreich sein, oft bewirkt es aber das Gegenteil dessen, was eigentlich beabsichtigt ist. Da erfolgt zunächst ein andachtsvolles Betrachten des Lebens Jesu, seiner Worte und Taten, seiner Liebe und Vollmacht, seiner Menschenzugewandtheit, seiner Gerechtigkeit und Weisheit. Das kann motivieren und trösten, ja. Das kann aber auch ein Schuss werden, der nach hinten losgeht: man spürt den moralischen Anspruch, so sein zu sollen wie Jesus – und erkennt im nächsten Moment, dass das nie, niemals klappen wird! Sie werden immer hinter dem Vorbild Jesu und dann damit auch hinter dem eigenen Selbstanspruch zurückbleiben. Und dann bleibt nur Resignation übrig – „Ja, bin ich Jesus?“ Mit „parräsia“ hat das dann nichts mehr zu tun und es bleibt der missmutige Trotz eines Teenagers übrig. Man zeigt halt die „Freudigkeit“ und schleppt die Stühle, aber im Herzen sieht es ganz, ganz anders aus.
Nun muss man aber dieses Wort nicht so verstehen: „denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt.“ Es gibt sogar einen Hinweis in dem Wort selbst, das ein anderes Verständnis nahe legt. Es wird dort nämlich in der Gegenwartsform geredet, nicht in der Vergangenheitsform. Für Johannes bedeutet das aber, dass er zum Zeitpunkt der Abfassung seines Briefes so gar nicht über den irdischen Jesus redet, sondern über den auferstandenen und zum Himmel aufgefahrenen Sohn Gottes. Dann bezieht sich das „in dieser Welt“ vor allen auf die Christen, die Kinder Gottes, die noch nicht im Himmel sind. Was ist dann aber mit diesem kleinen Satz gemeint? Wie ist denn der Auferstandene? Ist er nicht in der Herrlichkeit des Vaters, in ewiger Reinheit, Macht und Vollkommenheit? Was hat das dann aber mit uns auf der Erde zu tun? Der Vergleichspunkt ist aber vermutlich gar nicht das Wesen Jesu oder seine Aufgaben, sondern die Beziehung, in der er zum Vater im Himmel lebt. Der Vergleichspunkt ist die Liebesgemeinschaft mit dem Vater im Himmel. So wird verständlich, warum dieser Gedanke Zuversicht, verwegene Hoffnung begründen kann. Das Herz mag böse sein und wohl auch bleiben. Die empfangene Liebe bleibst du weiter schuldig. Aber du bist dennoch im Herzen Gottes, lebst in der Liebesgemeinschaft mit ihm – durch Jesus! Das allein kann dir Zuversicht vermitteln. Keine Perfektion, aber Hoffnung. Du bleibst ein Sünder, der nicht so liebt wie er sollte. Aber du darfst leben und hoffen – und lieben!
Ich war ja von der Frage ausgegangen, was das Herz prägt außer dem eigenen Verstand. Da gibt es vieles, was deinem Einfluss entzogen ist und du solltest immer wachsam sein, was du auf dein Herz wirken lässt. Aber das darfst du wissen: du kannst so leben, dich so verstehen und so glauben, wie Luther es in den Erklärungen zu den Geboten im Kleinen Katechismus so einmalig ausgedrückt hat: „wir sollen Gott fürchten und lieben“. Du kannst Gott fürchten und lieben – und das widerspricht nicht dem Satz des Johannes „Furcht ist nicht in der Liebe“. Denn die Furcht, von der Luther spricht, ist nicht die Angst vor dem Gericht, sondern die Ehrfurcht, die Gott, dem Schöpfer und König, dem Richter und Retter die Ehre gibt, die ihm in Jesus gebührt.
Nein, ich muss, du musst von Liebe nicht reden wie ein Blinder von der Farbe. In Jesus, kannst du diese Liebe täglich neu empfangen und ausleben. Der Herr bewahre dich vor dem Schicksal des „Herbert“, der unter den Ratschlägen der vielen Experten sich abmüht und leidet. Aber noch mehr bewahre er dich vor der Gefahr selbst ein solcher Experte zu werden, denn alle „Experten- und Manager-Diplome“ werden bei der letzten Abrechnung ungültig sein. Da wird der Vater nicht bei der Frage stehen bleiben: „was hast du getan?“ Die stellt er auch, aber wenn es die letzte Frage wäre, dann wäre echt „Schicht im Schacht.“ Sondern seine letzte und entscheidende Frage wird sein: „gehörst du auch zu ihm, zu meinem geliebten Sohn? Warst du wie er ist, in der Liebesgemeinschaft mit mir?“ Dann sei willkommen!
Und dieses Willkommen, das darf jetzt dein Herz prägen. Nur so wird Liebe draus, und so wird der Weg frei vom Herzen zur Hand. Jesus hat das Karussell gestoppt. Du musst dich nicht weiter um dich selbst drehen. Du darfst leben. Und zuversichtlich hoffen. Und lieben. Und diese Liebe von Herzen ausleben. Fang heute damit an.
Amen.

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Zuletzt bearbeitet am 19. Nov 2009 um 12:57 von Johannes. Veröffentlicht am 17. Nov 2009 um 00:59.