Der Herr ist auferstanden! Gesegnete Ostern!

Ihr Lieben,
heute in den News mal was zum Lesen, womit ich alle zum Osterfest herzlich grüße!

Eine unserer Anzeigenblätter, die in Velbert kostenlos verteilt werden (Stadt-Anzeiger), titelte am Karsamstag (22.03.2008): „Warum feiern wir Ostern? ‚Wegen der Ostereier‘“. Ein Redakteur hatte in der Fußgängerzone eine Blitzumfrage gestartet. Mehr als 50 Prozent der Befragten kannten die Bedeutung des Festes nicht!
Am meisten hatte mich die Antwort eines Befragten beunruhigt: „Ich feier‘ Ostern, weil mir persönlich die ganze Sache gefällt, mit Eier anmalen und in die Kirche gehen.“ Da geht also ein Mensch in die Kirche und erfährt dort nicht, warum Christen das Osterfest feiern? Am Ende des Artikels wurde die Meinung der Leser erfragt: „Religiöses Fachwissen oder Allgemeinbildung? Kann oder sollte man voraussetzen, dass die deutsche Bevölkerung weiß, warum Ostern gefeiert wird? Hat Sie das Umfrageergebnis überrascht?“

Ich habe darauf am gleichen Tag reagiert und in einer Mail geantwortet:
“Betr.: Ihr Leitartikel in Ihrer Ausgabe vom 22.03.2008 “Warum feiern wir Ostern? – ‘Wegen der Ostereier’”

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für Ihre Umfrage zur Bedeutung des Osterfestes und den gut geschriebenen Artikel!
Ihr Frage zielt meines Erachtens aber etwas in die falsche Richtung. Die Tatsachen sprechen ja für sich. Ihre Umfrage stellt sicher nicht im statistischen Sinn den Anspruch repräsentativ zu sein, aber sie spiegelt die Situation auch nach meinem Eindruck realistisch wider. Darum macht es aus meiner Sicht überhaupt keinen Sinn, das Wissen über Sinn und Ursprung des Osterfestes als Teil der Allgemeinbildung vorauszusetzen.

Wenn ich es richtig sehe, gibt es zwei Hauptgründe für diese Entwicklung:
- einmal flacht das Interesse für Allgemeinbildung in der Bevölkerung insgesamt ab. Nie gab es (besonders durch das Internet) mehr Informationen und mehr Möglichkeiten des Zugangs dazu. Und nie war der Allgemeinbildungsstand zugleich so niedrig. Beruflich ist immer spezialisierteres Wissen gefragt. Gesellschaftliche und kulturelle Zusammenhänge dagegen scheinen keine Relevanz mehr für die Bewältigung und Deutung des Alltags zu haben. Die Kompetenz im Umgang mit den heutigen Medien hält außerdem schon lange nicht mehr mit dem technischen Fortschritt und der Menge der Angebote Schritt. Im Dschungel der Möglichkeiten bleibt da vielen nur der Rückzug ins Private bzw. die Befriedigung des Bedürfnisses nach Unterhaltung.

- zum anderen ist der Pegel des religiösen Wissens sicher eine Folge des prozentual geringen Gottesdienstbesuches bzw. der geringen Beteiligung an den durchaus reichhaltigen Angeboten der Kirchen. Wenn der Glaube nicht das Leben prägt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch die Relikte der Tradition ihre Kraft verlieren. An diesem Punkt sind wir wohl angekommen.
Am meisten beunruhigt mich dabei allerdings bei Ihrer Umfrage die Antwort des Herren, für den zum Osterfest auch der Kirchbesuch gehört und der dennoch keine inhaltlich substantielle Antwort zustande bringt. Wenn die Kirchen selbst es nicht mehr vermögen, ihren Besuchern den Sinn ihrer Feiern zu vermitteln, brauchen wir Christen uns nicht zu wundern, wenn der Säkularisationsprozess mit gesteigerter Geschwindigkeit fortschreitet.
Das christliche Abendland nährt sich im allgemein-gesellschaftlichen Sinn mehr und mehr nur noch von Geschichte und Tradition. Auch die “Leitkultur” eines Landes muss auf Dauer lebensmäßig verwurzelt sein, sonst degeneriert sie zur leeren Hülse, zum nicht gedeckten Anspruch.

Die Gründe zu erforschen ist das eine, Wege zu einer Änderung zu finden aber etwas anderes.
Hier kann ich natürlich viele fromme Wünsche äußern. Aber entscheidender sind realistisch gangbare Wege.

Hier ist auf meiner Sicht beides notwendig: auf der einen Seite die Einsicht darin, dass künftig der christliche Glaube nicht mehr die maßgeblich unsere Kultur bestimmende Größe sein wird und auf der anderen Seite die umso wichtigere Erkenntnis, dass der erste und entscheidende Auftrag der Kirchen insgesamt und jedes einzelnen Christen im missionarischen Handeln besteht, das heißt darin besteht Menschen auf jede nur mögliche Weise zum Glauben an Jesus Christus zu rufen. Nur so kann es gelingen, dass die Grundaussagen des christlichen Glaubens nicht zu religiösem Fachwissen verkommen sondern ihre Bedeutung als Allgemeinbildung wieder erlangen, die ihr von ihrem Anspruch her auch zukommt. Es geht hier aus meiner Sicht um nicht weniger als um die Zukunft unserer Kultur und damit unserer Gesellschaft und unseres Landes.

Diese Einsicht ist nicht nur in den Freikirchen lebendig, sondern zum Teil auch wieder in den großen verfassten Kirchen angekommen. Aber es ist noch ein weiter Weg von der richtigen Einsicht bis zur Umsetzung in das Leben und die Arbeit der Gemeinden vor Ort. Als Vorsitzender der Evangelischen Allianz Velbert-Außenorte weiß ich aber, dass es auch in Velbert einige Gemeinden gibt, die das beispielhaft vorleben.

Zum anderen ist der Bildungsauftrag der Christenheit eine nicht zu unterschätzende Größe. In unserem Berufskolleg, unserem Fachseminar für Altenpflege, unserer Gesamtschule und den Seminaren unseres “fit-Programms” (fit = fördern – inspirieren – trainieren) erfahren wir vor Ort, wie notwendig es ist Menschen über die Grundaussagen des christlichen Glaubens zu informieren. Glaubwürdig kann das aber nur gelingen, wenn die “Informationsträger” (in unserem Falle die Kollegien) auch persönlich hinter dem stehen, was sie weitergeben. Zudem sind wir in der glücklichen Lage, auch dazu einladen zu können, den verkündigten Glauben in unserer Gemeinde und den Angeboten unseres Mutterhauses zu erleben. Das soll jetzt kein “Werbeblock” sein, sondern der Versuch am Beispiel zu verdeutlichen, wie das Land der Reformation das große Geschenk, dass Gott uns hierdurch gemacht hat, unter den Bedingungen unserer Zeit neu angenommen und gelebt werden kann. (Wenn wir außerdem Wege suchen, zB auch die Medienkompetenz der jungen Leute zu fördern, kann das sicher kein Fehler sein.)

Mit den besten Wünschen für ein gesegnetes Osterfest grüße ich Sie mit dem traditionellen Ostergruß:
Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden!
Ihr
Jens Brakensiek

Pfr. Jens Brakensiek
Direktor
Diakonissen-Mutterhaus Bleibergquelle im DGD e.V.
Bleibergstr. 143
42551 Velbert”

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